Erfahrungsbericht –
Diagnose Blasenkrebs

Patient: Wolf-Peter Kley, 71 Jahre

Diagnose: muskelinvasiver Harnblasenkrebs
Familienstatus: verheiratet, drei Kinder, vier Enkel
Hobbys: Das Instandhalten von Haus und Grundstück
– 10.000 Quadratmeter groß inklusive Wald und Garten

Ehefrau: Christa Kley, 68 Jahre

Hobbys: Lesen, Katzen, schwere Rätsel lösen

„Es gibt noch immer ein Morgen.“

Für Wolf-Peter Kley kam die Diagnose Blasenkrebs vollkommen unerwartet. Im Oktober 2010 suchte er seinen Internisten für eine Routineuntersuchung auf. Aufgrund seiner ehemaligen Tätigkeit als Monteur für Schiffsmaschinen, bei der er jahrelang Dieseldämpfe und andere Abgase eingeatmet hat, leidet Kley seit 2006 an Asbestose. Um deren Verlauf zu kontrollieren, geht er regelmäßig zum Arzt. Dieser stellte damals Unregelmäßigkeiten bei den Blutwerten fest. Zur Abklärung überwies er den zu diesem Zeitpunkt 64-Jährigen in die Onkologie. Man vermutete ein Plasmozytom  eine Form von Blutkrebs, die den Knochen befällt, und punktierte den Knochen. Als die Ärzte nichts fanden, schickten sie Wolf-Peter Kley zur Untersuchung der Nieren in die Nephrologie. Bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckten die Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) Tumoren an der Hinterwand der Blase.

Blasenkrebs – damit hatte Wolf-Peter Kley nicht gerechnet. Auch wenn er vorher typische Beschwerden wie Schmerzen beim Wasserlassen oder häufigen Harndrang verspürt hatte. Bei der Diagnose im Mai 2011 war Wolf-Peter Kley nicht alleine. Seine Ehefrau Christa Kley, mit der er seit 51 Jahren verheiratet ist, war an seiner Seite. Auch für sie war die Diagnose ein Schlag aus dem Nichts. Mit Blasenkrebs verband sie die Vorstellung von einer kurzen Lebenszeit. Heute weiß sie, dass es Möglichkeiten gibt, gegen Krebs anzugehen.

Als Wolf-Peter Kley die Diagnose Blasenkrebs erhielt, war die Erkrankung schon fortgeschritten. Da mehrere Tumoren vorlagen, entfernten die Urologen der MHH am 22.08.2011 zusammen mit seiner Blase auch die Prostata und 20 Lymphknoten. Außerdem legten sie eine Neoblase an. Sechs Jahre nach der Operation ist Wolf-Peter Kley weiterhin krebsfrei. Statistisch gesehen gilt er als geheilt, geht aber immer noch regelmäßig zur Kontrolle.

Sein Motto
"Positiv sein und nicht zu viel über die Krankheit nachdenken, nicht zu viel darüber reden."

Blasenkrebs ist für Betroffene wie auch für Angehörige, schwierig zu verarbeiten. Das musste auch das Ehepaar Kley erleben. Doch sie haben gelernt, gemeinsam damit umzugehen. Aus ihren Erfahrungen können auch andere Blasenkrebspatienten Erkenntnisse für den eigenen Weg gewinnen.

DER MOMENT DER DIAGNOSE

Aus Sicht des Betroffenen

Im ersten Moment dachte Wolf-Peter Kley, der Arzt hätte sich mit seiner Diagnose geirrt. Er rechnete mit einem Befund wie Blasensteine, nicht aber damit, dass es sich um Krebs handeln könnte. Die Diagnose des Arztes war für ihn ein „Schlag ins Kontor“.

Seine Tipps für nach der Diagnose

  • Eine Zweitmeinung einholen, bevor man sich für einen Eingriff entscheidet.
  • Eine Selbsthilfegruppe aufsuchen und von den Erfahrungen anderer Anregungen für den eigenen Weg erhalten.

Aus Sicht der Ehefrau

Die Diagnose Blasenkrebs jagte Christa Kley einen Schrecken ein. Für sie war es unvorstellbar, dass ihr Mann Blasenkrebs haben könnte. Was alles auf ihn zukommen würde, hat sie im ersten Moment nicht verstanden. Eine Krebserkrankung bedeutete für sie damals ein schnelles Ende. Doch sie zweifelte nicht daran, dass ihr Mann es schaffen würde.

Ihre Tipps

  • Die Diagnose den engsten Angehörigen mitteilen, denn die Unterstützung der Familie kann viel helfen.
  • Sich selbst Mut machen.

 

UMGANG MIT DER DIAGNOSE

Aus Sicht des Betroffenen

Wolf-Peter Kley hat versucht, allein mit der Diagnose zurechtzukommen. Dabei hätte die Möglichkeit bestanden, psychologische Unterstützung zu erhalten. Doch er entschied sich dafür, die Situation mit sich selbst auszumachen.

Allein beschritt er als Patient einen steinigen Weg. Geholfen hat ihm dabei seine pragmatische Einstellung, Dinge anzugehen. Auch wenn die Diagnose unerwartet und plötzlich war: Wolf-Peter Kley entschied sich dazu, das Beste aus der Situation zu machen. Heute würde Wolf-Peter Kley anders handeln und mehr Unterstützung von außen annehmen.

Seine Tipps

  • Sich öffnen und Gefühle zulassen.
  • Bei Bedarf psychologischen Beistand annehmen.
  • Optimistisch sein und möglichst wenig an die Konsequenzen denken.

Aus Sicht der Ehefrau

Christa Kley hat selbst erlebt, wie belastend die Diagnose Blasenkrebs sein kann. Denn Angehörige erleben die schwierige Zeit aus nächster Nähe mit. Es gab auch für ihren Mann Momente, in denen es ihm schwerfiel, mit der Erkrankung umzugehen. Darüber hinaus haben auch Partner und Familie Angst und bangen um ihre Liebsten.

Ihr Motto
"Ich bin eher skeptisch, aber immer noch nach vorne blickend."

Einen emotionalen Tiefpunkt erlebte Christa Kley, als ihr Mann operiert wurde. Ansonsten kam sie gut mit der Situation zurecht. Bei medizinischen Fragen waren die Ärzte im Krankenhaus immer für sie da. Weder sie noch ihr Mann wandten sich an einen Dritten, um besser mit der Situation zurechtzukommen.

Ihre Tipps

  • Gegen die Krankheit angehen.
  • Den Rat der Ärzte beherzigen.
  • Psychologische Unterstützung annehmen.

ALLTAG MIT DER DIAGNOSE

Aus Sicht der Ehefrau

Ob im Moment der Diagnose, als Begleitung bei der Reha oder als Stütze im Alltag – von Blasenkrebs Betroffene brauchen Unterstützung. Christa Kley war für ihren Mann da. Sie verbrachte sogar die drei Wochen Reha mit ihm und kam zu jedem Arzttermin mit. Außerdem gab sie Ende 2010 ihr Blumengeschäft auf und ging in Frührente, um sich um ihren Mann kümmern zu können.

Ihre Tipps für Angehörige

  • Nicht zu viel an sich denken, sondern in erster Linie den Erkrankten sehen.
  • Hilfe anbieten, aber nicht aufdrängen.
  • Auf die Tagesform Rücksicht nehmen.
  • Auf die Wünsche des Erkrankten eingehen.

PERSPEKTIVEN TROTZ BLASENKREBS

Aus Sicht von Wolf-Peter und Christa Kley ist es wichtig, dass Betroffene Unterstützung erhalten. Sie sind Gründungsmitglieder der Selbsthilfegruppe Blasenkrebs Hannover, um anderen Betroffenen Möglichkeiten im Umgang mit der Krankheit aufzuzeigen. Außerdem besuchen sie Vorträge und Ausstellungen, um ihr Wissen zu erweitern.

Unser Tipp
"Dem Krebs den Kampf ansagen. Krebs ist nicht das Ende. Es gibt heute genug Mittel, um dagegen anzugehen. Es gibt noch immer ein Morgen.“