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Steine im Wasser

Blasenkrebs verstehen

Bei Blasenkrebs steht ein sonst im Körper wohl verborgenes Organ im Mittelpunkt: die Harnblase. In ihrem Inneren wird der Urin gespeichert, bevor er über die Harnröhre ausgeschieden wird. Im Folgenden können Sie sich einen grundlegenden Überblick über den Aufbau und die Funktion der Blase sowie über die Diagnosemöglichkeiten und die unterschiedlichen Tumorformen bei Blasenkrebs verschaffen.

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Wassertropfen auf einem Blatt.

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Die Blase

Um verstehen zu können, was Blasenkrebs bedeutet, hilft es, das Organ „Harnblase“ näher zu betrachten.

Die Blase – Aufbau und Funktion

Die Blase gehört zu den ableitenden Harnwegen und befindet sich im unteren Bereich der Bauchhöhle hinter dem Schambein. Sie erfüllt eine wichtige Funktion beim Ausscheiden des Harns. Bildlich gesprochen ist die Blase ein Sammelbecken für den Urin, der zuerst in den Nieren produziert und dann über die Harnröhre nach außen abgeleitet wird.

Die Blase zeichnet sich besonders durch ihre Dehnbarkeit aus und passt ihre Größe an die Flüssigkeitsmenge an, die sich in ihr befindet. Normalerweise fasst Sie zwischen 300 und 500 ml, unter besonderen Umständen kann ihre Kapazität jedoch deutlich höher sein. Bereits ab ungefähr der halben Füllmenge, also etwa einem Glas Wasser, tritt der Drang ein, eine Toilette aufzusuchen und die Blase zu entleeren.

Ableitende Harnwege

Torso mit Darstellung der Nieren, Harnleiter sowie Blase und Harnröhre.

Nieren und Harnleiter (Ureter) bilden den oberen Abschnitt der ableitenden Harnwege, Blase und Harnröhre (Urethra) den unteren Abschnitt.

Aufbau der Blase

Die Blase setzt sich aus unterschiedlichen Gewebsschichten zusammen. Die innere Schicht besteht aus Schleimhaut mit einem Deckgewebe (Urothel), das die Harnblase vor dem enthaltenen Urin schützt. Darüber befindet sich eine Bindegewebsschicht, gefolgt von einer Schicht aus Muskelgewebe, die das Dehnen und Zusammenziehen (Kontrahieren) der Blase steuert. Die äußere Schicht besteht aus Nerven, Blut- und Lymphgefäßen sowie Fettgewebe.

Aufbau der Blase, Gewebsschichten der Blase.

Gewebsschichten der Blase.

Ein Tumor entsteht aus der Urothelschicht der Blase, kann aber unterschiedliche Gewebsschichten befallen. Je weiter er vordringt, desto fortgeschrittener ist die Erkrankung (siehe Tumorformen).

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Expertensicht Diagnose

Expertensicht Diagnose

Vom Symptom zur Diagnose: Prof. Jürgen Gschwend und Dr. Robert Tauber vom Klinikum rechts der Isar, München beschreiben die ersten Anzeichen von Blasenkrebs, die Betroffene bei sich beobachten können. Außerdem stellen sie das gängige Diagnoseverfahren dieser Krebsart vor, die transurethrale Resektion.

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Steinstapel

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Tumorformen

Die Therapie von Blasenkrebs richtet sich danach, ob ein invasiver oder nicht-muskelinvasiver Tumor vorliegt. Im Folgenden erfahren Sie, worin sich die beiden Tumorarten unterscheiden.

Tumorformen – invasiv vs. nicht-muskelinvasiv

Blasenkrebs bedeutet, dass sich in der Harnblase ein bösartiger Tumor, ein sogenanntes Harnblasenkarzinom, gebildet hat. Generell unterscheiden Mediziner zwischen nicht-muskelinvasiven und muskelinvasiven Tumoren. Damit geben sie den Ort des Tumors an. Nicht-invasiver Blasenkrebs heißt, dass der Tumor die Blasenschleimhaut und die Bindegewebsschicht, die sich unmittelbar darunter befindet, befallen hat. Muskelinvasive Tumoren sind bereits in tiefere Schichten der Blase vorgedrungen (vgl. Abbildung „Gewebsschichten der Blase“).

Darüber hinaus werden Tumoren in ein international gültiges TNM-Klassifizierungssystem eingeordnet:

  • T (Tumor) = Ausdehnung des Tumors
  • N (engl. „node“ gleich „Knoten“ ) = Anzahl befallener Lymphknoten
  • M (Metastasen) = evtl. vorhandene Metastasen

Diese Einteilung, auch Staging genannt, ermöglicht es, das Stadium und den Zustand eines Tumors exakt zu bestimmen. Daraus leitet sich die weitere Behandlung ab. So kann jeder Patient eine maßgeschneiderte Therapie erhalten, die genau auf den Zustand seines Harnblasentumors abgestimmt ist.

Nicht-muskelinvasive Blasentumore

Nicht-muskelinvasiver Blasentumor – Tumoren der Stadien Ta, T1 und Tis.

Bei nicht-invasiven Tumoren handelt es sich um frühe Krebsstadien (Ta, T1 und Tis) mit guten Heilungschancen. Man unterscheidet zwischen papillären, warzenförmigen Tumoren (Ta, T1) und flachen in situ-Karzinomen (Tis). Diese sind aufgrund ihrer flachen Form schwer nachzuweisen.

Muskelinvasive Blasentumore

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Der Harnblasenkrebs hat tiefere Gewebsschichten befallen – Tumoren der Stadien T2, T3 und T4 liegen vor.

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Querschnitt Baumstamm

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Historie der Blase

Je nach Zeitalter und Kultur hatte die Blase ganz unterschiedliche Bedeutungen und Funktionen. Die Menschen setzten das Organ auf verschiedene Weise ein: als Transportgefäß, Fensterglas-Ersatz oder Spielzeug. In diesem Abschnitt finden Sie wissenswerte Fakten und Kuriositäten über die Blase.

Die Blase im Wandel der Zeit

Stabil, flexibel dehnbar und auslaufsicher – aufgrund dieser Eigenschaften nutzten die Menschen in früheren Zeiten gesäuberte präparierte Harnblasen von Tieren, um Flüssigkeiten, Käse oder Dokumente aufzubewahren und zu transportieren. Beispielsweise bewahrten Maler bis zur Erfindung der Tube im Jahr 1841 ihre Ölfarbe in Tierblasen auf. Außerdem machte die Beschaffenheit des Organs die Blase im Mittelalter zu einem beliebten Baumaterial. Damals ersetzten in Holzrahmen gespannte Schweinsblasen Glasfenster – und galten als bruchsicher. Ebenso schmückten die inneren Häute der Blase Lampenschirme oder Laternen.

Die Blase, das perfekte Spielzeug

Seit jeher steht die Blase in Verbindung mit Spaß und Spiel. Vor 1800 vergnügten sich Kinder auf dem Land häufig mit aufgeblasenen Tierblasen. Auch Heinrich VIII. (1491-1547) soll als erster adeliger Fußballer mit einer Schweinsblase herumgekickt haben. Und bei den Narren der schwäbisch-alemannischen Fastnacht kommt traditionell die Saublodere zum Einsatz: eine aufgeblasene Schweinsblase, die an Stecken oder Schnüren befestigt ist. Sie wird auf den Boden geschlagen, um Lärm zu machen.

Blase als Sitz der Seele

Die Eskimos leben von der Robbenjagd und glauben, dass die Blase der Sitz der Seele ist. Um sich auch in Zukunft neue Beute zu sichern, sammeln sie während eines Jahres alle Blasen der erlegten Tiere. Bei dem sogenannten Blasenfest werfen sie kunstvoll bemalte Robbenblasen ins Meer zurück – im Glauben, dass so neue Tiere geboren würden, die im kommenden Jahr erlegt werden könnten.

Grundstein zur Diagnose von Blasenkrebs

Manchmal kann Erfindergeist Leben retten. Bestes Beispiel dafür ist der Urologe Max Nitze. Im Jahr 1879 stellte er erstmals ein Instrument zur Spiegelung der Harnblase vor. Mit einem elektrisch beleuchteten Zystoskop legte er den Grundstein für die Diagnose von Blasenkrebs. Noch heute profitieren Patienten von dieser Innovation.

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