Erfahrungsbericht – Blasenersatz

Patient: Klaus Pfennig, 71 Jahre alt
Diagnose: muskelinvasiver Harnblasenkrebs
Blasenersatz: Illeum-Neoblase
Familienstatus: verheiratet, zwei Kinder, vier Enkel
Hobbys: Reisen, Familie, Haus & Garten, Lesen, Politik

„Jeder Tag ist ein Geschenk.“

Klaus Pfennig ist ein Optimist. Er geht regelmäßig schwimmen, interessiert sich für politische Bücher und reist viel. Die Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Gesellschaft ist ihm sehr wichtig. Außerdem liegt ihm seine Familie am Herzen: Er hat zwei Kinder und vier Enkel, die sich gegenseitig häufig besuchen. In vier Jahren feiern Klaus Pfennig und seine Frau Goldene Hochzeit, so hofft er. Momente wie diese sind sehr wertvoll geworden, denn Klaus Pfennig hat Blasenkrebs. Im Juni 2013 hat er die Diagnose muskelinvasiver Blasenkrebs erhalten. Zwei Tumorresektionen blieben erfolglos, da der Tumor wieder auftrat. Deshalb war es erforderlich, die komplette Blase, die Prostata sowie die umliegenden Lymphknoten zu entfernen. Als Ersatz erhielt Klaus Pfennig eine Neoblase. Die halbjährlich stattfindenden Nachsorgeuntersuchungen haben bislang keine Tumorrezidive oder Metastasen gezeigt. Darüber ist der 71-Jährige sehr glücklich. Nach jedem Nachsorgetermin denkt er: „Mir wurde wieder ein halbes Lebensjahr geschenkt.“

Die Therapie war für Klaus Pfennig ein steiniger Weg. Besonders den Umgang mit dem Blasenersatz zu erlernen, war für ihn eine Herausforderung. Damit anderen Blasenkrebspatienten nicht das gleiche Schicksal bevorsteht, möchte er seine Erfahrungen mit einer Neoblase teilen. Davon können auch andere Betroffene profitieren und neuen Mut für ihren eigenen Weg schöpfen.

Mein Motto:
"Jeder Tag meines Lebens ist ein Geschenk. Ich nutze ihn zur Freude für mich und andere, so gut es geht."

VON DER DIAGNOSE ZUM BLASENERSATZ

Nach der Diagnose informierte sich Klaus Pfennig ausführlich über Blasenkrebs, die Behandlungsoptionen und Möglichkeiten des Blasenersatzes. Dabei war er nicht auf sich allein gestellt. Ihm halfen sowohl der Austausch mit einem Betroffenen Verwandten als auch einschlägige Webseiten.

Seine Tipps, um Informationen zu erhalten:

  • Umfassende Infos gibt es online beim Selbsthilfebund Blasenkrebs e.V.
  • Auch eine regionale Blasenkrebs-Selbsthilfegruppe kann Unterstützung bieten

WAHL DES BLASENERSATZES UND DER KLINIK

Eine Neoblase war für Klaus Pfennig der Blasenersatz seiner Wahl. Seine Kriterien: normal weiterleben zu können – ohne Stoma, Katheter oder Veränderungen am Körperbild. Seine größte Angst war es, nicht die medizinischen Voraussetzungen für eine Neoblase mitzubringen. Um die besten Voraussetzungen für diesen Blasenersatz zu schaffen, wechselte Klaus Pfennig sogar das Krankenhaus. Denn der Arzt am Krankenhaus vor Ort war unsicher, ob dieser Eingriff möglich sei. Der Chefarzt der Urologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat Klaus Pfennig Mut gemacht und eine Neoblase angelegt.

Seine Tipps im Vorfeld

  • Unbedingt eine Zweitmeinung einholen.
  • Eine Klinik aufsuchen, die auf Blasenersatz spezialisiert ist.
Mein Tipp für Betroffene:
"Die Krebserkrankung nicht verdrängen und offen damit umgehen.“

Nach dem Eingriff

Den Umgang mit der Neoblase musste Klaus Pfennig durch Selbsterfahrung erlernen. Sein Reha-Aufenthalt in einer Einrichtung für allgemeine Onkologie half ihm dabei nur wenig. Dort begegnete er zwar anderen Krebspatienten, deren Lage unterschied sich aber von seiner. Seine Fragen zum Umgang mit der neuen Blase konnte ihm niemand hinreichend beantworten. Zum Beispiel: Wie lässt sich die neue Blase am besten entleeren? Das war eine Herausforderung, der sich Klaus Pfennig alleine stellen musste, da ihm die nötige Anleitung fehlte.

Seine Tipps für die Anfangszeit mit der Neoblase

  • Eine Reha-Klinik aufsuchen, die auf urologische Krebserkrankungen spezialisiert ist.
  • Sich keine Sorgen über die neuen Einschränkungen machen, den Umgang mit der Neoblase üben und zeitweilige Darmfunktionsstörungen hinnehmen.
  • Alles muss und kann gelernt werden: mehr Gelassenheit im Umgang mit den Ausscheidungen, keine großen Kraftanstrengungen bei den Ausscheidungsvorgängen. „Was drinnen ist, kommt auch raus“.

BLASENERSATZ IM ALLTAG

Vier Jahre nach der Operation führt Klaus Pfennig trotz Blasenersatz ein aktives Leben: Er geht regelmäßig zum Schwimmen und zum Turnen. Auch nachts bereitet ihm die Neoblase wenig Probleme. Anfangs stellte er sich den Wecker, um sie alle drei Stunden zu leeren. Das hatten ihm die Ärzte empfohlen. Heute schläft er durch, da er gelernt hat, mit seiner neuen Blase umzugehen. Insgesamt hat es bei ihm ein Jahr gedauert. Klaus Pfennig ist sich sicher, dass es mit der richtigen Anleitung auch schneller gehen kann.

Seine Tipps für eine trockene Nacht

  • Abends nur noch wenig trinken, damit vor dem Schlafengehen die Blase leer ist. Ich trinke zum Beispiel das letzte Mal gegen 18 Uhr, damit bis 22 oder 23 Uhr die Blase entleert werden kann.
  • Zur Sicherheit Vorlagen und eine Unterlage verwenden.

 

„Was ich anders machen würde, wenn ich zurückblicke: Ich würde mir weniger Sorgen machen über die neuen Behinderungen, den Umgang mit der Neoblase und den Darmfunktionsstörungen. Alles muss und kann gelernt werden.“