Gesundes und aktives Altern: Zukunftsmusik soll Wirklichkeit werden

Bis 2050 wird sich die Zahl der Menschen in der Weltbevölkerung, die über 60 Jahre alt sind, mehr als verdoppeln. So lauten die Einschätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Dieser demografische Wandel geht mit tiefgreifenden sozialen und wirtschaftlichen Folgen einher. Um auf diese Entwicklungen zu reagieren, startet die WHO im Jahr 2020 die „Dekade des gesunden Alterns“. Damit sollen die Weichen für eine Lebenswelt gestellt werden, die die Bedürfnisse von Senioren berücksichtigt.

Die „Dekade gesunden Alterns“ basiert auf dem Dokument „Strategie und Aktionsplan für gesundes Altern in der Europäischen Region (2012 – 2020).“  Dieses haben die Mitgliedsstaaten der WHO im Mai 2016 verabschiedet. Außerdem waren bei der Ausarbeitung zahlreiche weitere Interessengruppen der Europäischen Region der WHO beteiligt.

Die Ziele der „Dekade gesunden Alterns“

Fünf Ziele stehen im Fokus der Strategie: Sie soll das gesunde Altern in allen Ländern fördern. Um dafür eine gute Grundlage zu schaffen, gilt es, die Gesundheitssysteme an die Bedürfnisse älterer Menschen anzupassen und nachhaltige Pflege(versicherungs)systeme zu entwickeln. Auch die Schaffung einer räumlichen und sozialen Umwelt, die Gesundheit und Teilhabe älterer Menschen fördert, gehört zu den Zielen der Dekade. Darüber hinaus soll die Datenlage verbessert werden.

Nur gesund das Lebensziel erreichen

Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff „gesundes Altern“? Laut WHO ist damit der „Prozess der Entwicklung und Aufrechterhaltung der funktionalen Fähigkeit, die Wohlbefinden im Alter ermöglicht“ gemeint. Außerdem ist ein Höchstmaß an Gesundheit, zumindest nach den Werten der WHO, ein Menschenrecht. Diese Annahme bildet die Grundlage für die „Dekade des gesunden Alterns“ und gleichzeitig die entscheidende Voraussetzung dafür, dass Menschen ihre Potenziale nutzen und ihre Ziele erreichen können.

Die Voraussetzungen für gesundes Altern schaffen

Mit der „Dekade gesunden Alterns“ will die WHO Regierungen, Bürgergesellschaften, internationale  Organisationen, Experten, Wissenschaft und Medien die Möglichkeit geben, zehn Jahre lang gemeinsam zielgerichtete Maßnahmen zu entwickeln, um das Leben von älteren Menschen und deren Familien zu verbessern. Wegweisend sind dabei zehn Schwerpunkte, die bereits konkrete Handlungsbereiche aufzeigen. Dazu gehören zum Beispiel das Schaffen einer Kommunikationsplattform zum weltweiten Ideenaustausch oder Unterstützung in Form von Hilfsmitteln und Kompetenzen, um Länder planungs- und handlungsfähig zu machen. Aber auch das Sammeln von Daten weltweit zum Thema „Gesundes Altern“ und das Anpassen von Gesundheitssystemen auf die Bedürfnisse älterer Menschen sind dabei zu berücksichtigen.

Was also kann die Situation von Senioren verbessern? Ein Blick nach Finnland, dessen Bevölkerung die drittälteste weltweit ist, hat sich dem Thema angenommen. Beim EU-Forum zur Silver Economy in Helsinki konnten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ihre Vision einer Welt vorstellen, die perfekt auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten ist. Beispielsweise könnte der Einsatz von Big Data und künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen neue Möglichkeiten zur Vorsorge von Krebs und chronischen Erkrankungen eröffnen. Herausforderung für die Industrie ist es, spezielle Produkte zu entwickeln, die den Bedürfnissen von Alten und Kranken entsprechen – beispielsweise Rasierer mit integriertem Rasierschaum für Demenzkranke. Darüber hinaus sind flexiblere Arbeitszeitmodelle gefragt, damit Senioren – sofern gewünscht – auch nach dem Renteneintrittsalter ihr Know-how bei Unternehmen einbringen können. Außerdem sind Städte und Gemeinden gefordert, altersgerecht zu bauen und eine seniorengerechte Infrastruktur zu schaffen. Nur so können ältere Menschen sich ihre Selbstständigkeit und Mobilität bewahren.

Wie genau die einzelnen EU-Länder die „Dekade gesunden Alterns“ gestalten werden, um das Wohlergehen der älteren Bürger zu fördern, bleibt abzuwarten.