Blasenkrebs: Schwerbehindertenausweis beantragen

Wer von einer Krebserkrankung betroffen ist, erfährt Einschränkungen in vielen verschiedenen Lebensbereichen. Deshalb haben alle Krebsbetroffene – also auch Blasenkrebsbetroffene – das Recht, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Ziel ist es, die körperlichen, geistigen, emotionalen, sozialen und möglicherweise auch wirtschaftlichen Auswirkungen der Erkrankung auszugleichen.

Was bedeutet eigentlich schwerbehindert?

Eine Schwerbehinderung liegt vor, wenn bestimmte physische, psychische oder kognitive Funktionen für mindestens sechs Monate beeinträchtigt sind. Je nach Ausmaß der Einschränkung in den verschiedenen Lebensbereichen wird der Grad der Behinderung (GdB) oder Grad der Schädigungsfolgen (GdS) festgelegt. Davon ist abhängig, welche Leistungen das Versorgungsamt dem Antragssteller gewährt. Ab einem GdB von 50 gilt man als schwerbehindert, das heißt man erhält einen Schwerbehindertenausweis. Generell kann der GdB zwischen 20 und 100 liegen.

Maßgebend bei einer Krebserkrankung ist der gesamte Grad der Einschränkungen, die sich durch die Krankheit für den Betroffenen ergeben. Welchen GdB oder GdS ein Blasenkrebspatient erhält, richtet sich nach den Vorgaben der „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“. Diese legen fest, dass beispielweise Blasenkrebspatienten nach Entfernung des Tumors im Frühstadium für zunächst 2 Jahre einen GdB/GdS von 50 erhalten. Betroffenen, denen die Harnblase entfernt und eine künstliche Harnableitung angelegt worden ist, wird zunächst für 5 Jahre ein GdB/GdS von 80 zuerkannt.

Welche Vorteile haben Blasenkrebspatienten mit einem Schwerbehindertenausweis?

Sinn und Zweck eines Schwerbehindertenausweises ist es, die durch Krebs verursachten Einschränkungen auszugleichen. Deshalb können seine Inhaber von besonderen Rechten und Vorteilen profitieren. Ab einem GdB von 30 können Betroffene, also Personen mit Einschränkungen, die noch nicht als schwerbehindert gelten, einen Antrag auf Gleichstellung stellen. Dann haben sie Anspruch auf dieselben Rechte wie Schwerbehinderte.

Hier ein Überblick über die verschiedenen Nachteilsausgleiche.

Nachteilsausgleiche im Beruf

  • Jährlich 5 zusätzliche Urlaubstage
  • Erhöhter Kündigungsschutz
  • Freistellung von Mehrarbeit (nicht mehr als 8 Stunden/Werktag)
  • Begleitende Hilfe im Arbeitsleben (z. B. technische Arbeitshilfen oder Beratung bei Arbeitsplatzproblemen)
  • Hilfe zur Erhaltung beziehungsweise Erlangung eines behindertengerechten Arbeitsplatzes
  • Bei Bedarf: früherer Renteneintritt

Sonstige Nachteilsausgleiche

  • Steuerliche Vergünstigungen
  • Günstigerer Eintritt und Rabatte bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, Bäder, Museen und anderen öffentlichen Einrichtungen
  • Niedrigere Beiträge bei Automobilclubs
  • Freibeträge beim Wohngeld – abhängig vom GdB
  • Anspruch auf einen Euro-WC-Schlüssel

Welche Nachteilsausgleiche genau bei welchem GdB möglich sind, können Sie dieser Tabelle entnehmen.

Was ist eigentlich ein Euro-WC-Schlüssel?

Der Euro-WC-Schlüssel ist ein Einheitsschlüssel, der deutschland- und europaweit Zugang zu Behindertentoiletten ermöglicht: Dazu zählen zahlreiche Toiletten an deutschen Autobahnen sowie Toiletten in vielen deutschen und europäischen Städten. Er ist beim Club Behinderter und ihrer Freunde in Darmstadt und Umgebung e. V. (CBF) für 23 Euro bestellbar.

Als Nachweis der Schwerbehinderung ist eine Kopie des Schwerbehindertenausweises (Vorder- und Rückseite) einzureichen: online, per Post oder per Fax.

Schwerbehindertenausweis beantragen

Wenn Sie einen Schwerbehindertenausweis beantragen möchten, ist das Versorgungsamt oder das Sozialamt vor Ort der richtige Ansprechpartner. Bei der Antragstellung können Sie die Integrationsämter, Selbsthilfegruppen, Ihr behandelnder Arzt, aber auch Behindertenverbände und Schwerbehindertenvertretungen unterstützen.